Wie blöd ist Valerian?

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Space-Pupskonzert von Luc Besson.

Die allerschlimmsten Filme sind nicht die Totalschäden, die ungewollt oder absichtlich schlechten, die so-bad-it’s-good-Kandidaten: Es sind die Filme, die mit tollen Ideen und unglaublichen Bildern um die Ecke kommen, nur um sie dann mit flammender Inkompetenz gegen die nächste Wand zu setzen. Valerian ist so ein Film. Die wunderschönen Trailer versprechen ein kunterbuntes Multiversum voller kosmischer Wunder, welches 20 Jahre nach Luc Bessons Das Fünfte Element eine noch größere Space Opera mit überschäumender Kreativität verspricht. Und irgendwie liefert das Endprodukt auch genau das – und findet dann einen Weg, all dies mit Blödheit zu versenken. So viel Blödheit, dass ich eine Liste machen muss, um meinen Frieden zu finden.

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Wonder Woman

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Superheldinnenfilm von Patty Jenkins.

Auf den Schultern der Kriegerprinzessin von Themyscira lasten große Erwartungen: Sie muss nicht nur die Welt retten, sondern auch die Ehre des DC-Kinoversums nach einer Reihe kritisch verrissener Filme wiederherstellen. Und als ob das noch nicht genug wäre, soll sie auch noch eine Bresche in das Jungs-Baumhaus des modernen Superheldenfilms schlagen und beweisen, dass Frauen nicht nur mitspielen dürfen, sondern auf Augenhöhe mit all deinen Lieblings-Muskelmännern stehen. Doch sie ist eine Superheldin: Superhelden tun das Unmögliche und lassen es einfach aussehen.

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Guardians of the Galaxy Vol. 2

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Actionkomödien-Weltraumspaß von James Gunn.

Guardians of the Galaxy war ein kleines Wunder von einem Film: Der exakte Moment, in dem die komplette kosmische Abgefahrenheit des intergalaktischen Marvel-Multiversums auch unter Normalsterblichen in einer Form einschlug, die mit nacktem Blick auf die Charakterkonzepte überhaupt kein Recht dazu hatte, so irre gut zu sein. Wenn wir als Zuschauer erstmal den Waschbär-Kopfgeldjäger mit Jetpack und Gatling-Laser und seinen Baum-Sidekick mit Wortschatz-Problematik akzeptiert haben, bleibt die Frage, wo wir diese nun familiär wirkenden Figuren noch hinsteuern können. Zum Glück ist der Angriffswinkel von Vol. 2 mutig, saukomisch und verblüffend emotional.

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Logan

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Superhelden-Abgesang von James Mangold.

Dass der neue X-Men-Streifen kaum etwas mit den bunten Spektakeln der vergangenen Jahre zu tun hat, zeigt sich schon im ersten Bild: Da fällt der unverwundbare Übermensch halbtot und sturzbetrunken aus seinem Wagen und wird von einer Bande von Halbstarken vermöbelt. Als er sich zur Wehr setzt, ist er nicht mehr der kinderfreundliche Streiter für Gerechtigkeit: Seine Klingen, die er seit zwei Jahrzehnten immer nur verwischt am Bildrand oder zwischen Diskretions-Cuts einsetzte, zerreißen Fleisch und Knochen, zerteilen Gliedmaßen, durchbohren Köpfe von Kids, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Eine deutlichere Content-Warnung kann es nicht geben. Und doch ist dies nicht zynisches Exploitation-Kino für gewaltverrückte Teenager, sondern eine erwachsene Mär vom Altern und Scheitern.

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Wolverine: Old Man Logan

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Postapokalyptischer Western von Mark Millar & Steve McNiven.

Wer langsam die Nase voll von Superheldenkram hat, wird dieses Jahr ne schlechte Zeit haben. Im März geht die Cape-Saison mit Hugh Jackmans letztem Hurra ‚Logan‘ los, einem X-Men-Film ohne X-Men. Der düster-entzauberte Road Trip-Flair des Trailers und der Titel kommen dabei nicht von ungefähr: Zumindest das Konzept ist von der viel gelobten Miniserie Old Man Logan aus der Feder von Mark Millar (Händchen für alternative Charakterinterpretationen bewiesen in Superman: Red Son) entliehen, einer viel gelobten Miniserie, welche zwischen 2008 und 2009 die sonst so quietschbunte Marvel-Welt in ein düsteres Ödland verwandelte.

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Batman: A Telltale Series

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Interaktive Superhelden-Serie von Telltale Games
für PC, Xbox One, Xbox 360, PS4, PS3, iOS & Android.

Seit der ersten Staffel von The Walking Dead bin ich Stammgast von Telltale Games. Eigentlich wird in diesem Hause seitdem immer mit den gleichen Zutaten gekocht: Man schaut eine Reihe spannender und gut geschriebener Episoden vom jeweiligen Lieblings-Franchise, wobei man selber die Entscheidungen der Hauptfigur(en) treffen und ihnen die Worte in den Mund legen darf. Der größte Unterschied zum ‚richtigen‘ Virtual Novel besteht dabei aus kleinen Adventure-Puzzles und Action-Szenen, die durch flinke Finger bei Quicktime-Events bestanden werden. Diese Erfolgsrezeptur wurde nun in einem cleveren Schachzug mit jedermanns Lieblings-Superhelden gekreuzt – der mürrischen Flugratte von Gotham.

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Doctor Strange

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Arkaner Superhelden-Trip von Scott Derrickson.

Wisst ihr, was cool ist? Superhelden. Und was noch? Zauberer. Zauberer sind cool. Die Überschneidung in der Mitte dieses Diagramms macht Doctor Strange eigentlich automatisch zu einer der fetzigsten, wenn auch eher obskureren Figuren im Marvel-Katalog. Und während wir uns zu Beginn des Jahrzehnts noch gefragt haben, wie man eine Figur wie Thor an der Seite von Iron Man ernst nehmen kann, schämen sich Superhelden-Filme heute nicht mehr für die abgedrehte Kosmologie ihrer Comic-Vorlagen. Wenn man sich dann noch ein Weltklasse-Kaliber wie Benedict Cumberbatch für die Hauptrolle sichert, kann doch eigentlich nix mehr schief gehen.

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Severed

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Horror-Roadmärchen von Scott Snyder.

Wir nähern uns mit großen Schritten Halloween. Da fällt mir auf, dass ich für diesen Monat eigentlich nur noch Doctor Strange auf der Liste habe – und wenn da nicht ein überraschender Frankenstein im letzten Akt aufploppt, würde der Monat ganz unspuktakular an mir vorüberziehen. Abhilfe soll nun diese grusel-wuselige Comic-Miniserie von Scott Snyder schaffen, über die ich schon so viele gute Dinge gehört habe: Ein Teil Reisebericht, ein Teil Thriller, ein Teil Slasher und ganzheitlich schauerlich.

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Luke Cage

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Superhelden-Gangsterdrama von Cheo Hodari Coker.

Der Comic-Held Luke Cage – Power Man – ist ein Produkt der Blaxploitation-Szene der 70er, ein cooler schwarzer Draufgänger mit Afro und Attitüde. Luke Cage der Serienstar, wie er zuerst im letzten Jahr in Marvels Jessica Jones (ebenfalls auf Netflix) zu sehen war, ist ein Produkt der Moderne: Ein Held wider Willen, der gegen die Ungerechtigkeit in seiner Heimat Harlem auf die Straße geht. Nicht umsonst ist sein Kostüm nicht mehr knallig gelb und vom Motiv gesprengter Ketten durchsetzt – vielmehr verkörpert er die heroische Seite des in der ‚Black Lives Matter‘-Debatte heftig umstrittenen ‚Black Man in a Hoodie‘.

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V for Vendetta

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Memetische Comic-Anarchie von Alan Moore & David Lloyd.

Die Weltpolitik steht in Flammen. Ich meine jetzt, in diesem Moment, da draußen, aber eben auch in diesem Comic-Band, der mir heute durch Zufall wieder in die Hände fiel. Und doch wirkte die Geschichte beim Durchblättern auf einmal befremdlich fern – aus einer anderen Ära eben. In den 80ern warnte Moore vor den faschistischen Tendenzen des Großbritanniens der Thatcher-Ära und machte zivilen Ungehorsam zu seinem Superhelden. 2005 verfilmten die Wachowskis das Material – sehr zum Zähneknirschen seines Autors – zu einer Kritik des Hurra-Patriotismus der Bush-Ära. Beiden Inkarnationen des Stoffes ist gemein, dass sie die nationalistischen Narrativen eines Überwachungsstaates angreifen, der seine Bürger durch Angst und eine Gleichschaltung der Medien unterdrückt. Aber warum fühlt sich das alles 10 Jahre später so merkwürdig an – nun, da die amerikanischen Präsidentschaftswahlen über Twitter ausgefochten werden, babyblaue Plakate Berlin schmücken und deine Facebook-Freunde anderer Leute Verschwörungstheorien teilen?

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